VoIP-Bandbreite: Wie viel Bandbreite braucht IP-Telefonie im Unternehmen?

Die IP-Telefonie gilt als neuer Standard der Telefonie. Mit der fortschreitenden ISDN-Abschaltung, die 2022 abgeschlossen werden soll, steigen nun auch die letzten Unternehmen auf VoIP (Voice over IP) um. Eine Grundvoraussetzung muss für das Gelingen dieser Umstellung allerdings erfüllt sein: eine ausreichende Internetbandbreite. Wie Sie die benötigte Bandbreite für Ihr Unternehmen berechnen können, wovon die Stabilität der Verbindung abhängt und wie Sie die Sprachqualität bei Internettelefonie sichern können, zeigen wir Ihnen in diesem Beitrag.

Wie kann ich die benötigte VoIP-Bandbreite für mein Unternehmen berechnen?

Die benötigte Bandbreite hängt von mehreren Faktoren ab, die daher in die Berechnung mit einfließen sollten. Sie müssen das Nutzungsverhalten, die Mitarbeiteranzahl und die Anzahl der parallel geführten Telefonate berücksichtigen.

Benötigte Bandbreite für ein VoIP-Telefonat

Als allgemeiner Richtwert für die VoIP-Bandbreite mit einer guten Sprachqualität werden in der Regel 100 kbit/s pro Gespräch angegeben. Dies gilt nur für reine Sprache ohne Videosequenz und bezieht sich auf Up- und Download.

Mitarbeiteranzahl

Wie bereits erwähnt, hängt die benötigte Bandbreite auch von der Anzahl der Mitarbeitenden im Unternehmen ab. Allerdings reicht die reine Anzahl selten als Faktor für die Berechnung aus – schließlich gibt die Mitarbeiteranzahl keine direkte Auskunft darüber, wie viele Telefonate gleichzeitig maximal geführt werden. Mitarbeitende im Telefonservice telefonieren beispielsweise häufiger als ein Programmierer, insofern hängt die Anzahl der gleichzeitigen Gespräche auch stark von Ihrer Branche ab. Sie müssen im Endeffekt also eine Idee davon haben, wie viele gleichzeitige Telefonate in Ihrem Unternehmen geführt werden können müssen. Sie wissen bereits, dass Sie pro Gespräch mit einer Bandbreite von 100 kbit/s rechnen können. Bauen wir noch einen Sicherheitspuffer ein, sagen wir 150 kbit/s. Damit benötigen Sie bei 100 Mitarbeitern, die gleichzeitig telefonieren können müssen, schon 15.000 kbit/s, also 15 mbit/s in beide Richtungen.

Im Download ist das häufig gar kein Problem – beim Upload sieht das bei einem ADSL-Anschluss allerdings schon anders aus. Hier spricht man auch vom Flaschenhals beim Upload.

Das Problem: Flaschenhals beim Upload

Berücksichtigen Sie unbedingt nicht nur die Download-, sondern auch die Uploadgeschwindigkeit. Tun Sie das nicht und arbeiten Sie mit einem ADSL-Anschluss, kann es zu einem Flaschenhals beim Upstream von Daten und Sprachdaten kommen, da es hier technisch so vorgesehen ist, dass die Bandbreite im Upload niedriger ist als im Download.

Für Privatpersonen ist das meistens kein Problem, da diese mehr runter- als hochladen (Serien-Streaming etc.). Bei Unternehmen sieht das aber häufig ganz anders aus. Legen Sie daher ein genaues Augenmerk auf die Wahl des Anschlusses.

Anschlüsse: ADSL, SDSL oder VDSL

Sie können zwischen verschiedenen DSL-Anschlüssen wählen: ADSL, SDSL und VDSL. „DSL“ bedeutet „Digital Subscriber Line“ und beschreibt einen technischen Standard zur Datenübertragung.

ADSL

ADSL steht für Asymmetric Digital Subscriber Line. Die Down- und Uploadgeschwindigkeit ist bei ADSL asymmetrisch, d.h. die Downloadgeschwindigkeit ist immer höher als die Uploadgeschwindigkeit. Diese Anschlusstechnik ist die am häufigsten und überwiegend in Privathaushalten eingesetzte Technik der drei zur Auswahl stehenden Anschlüsse.

SDSL

SDSL steht für Symmetric Digital Subscriber Line. Der Name zeigt schon, dass die Up- und Dowloadgeschwindigkeit gleich, also symmetrisch ist. Diese Anschlusstechnik wird meist von Unternehmen genutzt, da diese oftmals auch Daten ins Internet übertragen müssen und hier von der gleichen Datenübertragungsgeschwindigkeit profitieren.

VDSL

VDSL (früher auch VHDSL) steht für Very High Speed Digital Subscriber Line. Auch hier zeigt der Name schon das besondere Merkmal an: Diese Anschlusstechnik liefert deutlich höhere Datenübertragungsraten. Bei VDSL handelt es sich um einen asymmetrischen Übertragungsstandard, hier ist die Downloadgeschwindigkeit also wie bei ADSL höher als die Uploadgeschwindigkeit.

Dieser High Speed Anschluss eignet sich für User, die besonders schnelles Internet benötigen – im beruflichen Kontext zum Beispiel solche, die regelmäßig große Datenmengen übertragen müssen, wie Designer oder Architekten.

Wie wähle ich den passenden Anschluss aus?

Leider können wir Ihnen auch hier nicht ad hoc die richtige Lösung für Sie nennen, da diese wieder von Ihren Anforderungen und dem Nutzerverhalten abhängt. Zuerst einmal muss klar sein, für was der Anschluss dienen soll. Was soll mit dem Anschluss abgedeckt werden? Übertrage ich viele Daten zu einem Cloud-Speicher, Rechenzentrum oder zu anderen Medien? Streame ich viel? Setze ich Videotelefonie ein? Benutze ich Tools wie Microsoft Teams, Zoom oder andere Plattformen?

Auf der Suche nach dem geeigneten Anschluss sollten Sie solche Fragen im Vorfeld beantworten. Dazu muss dann je nach Anbieter geprüft werden, was am jeweiligen Standort an Anschluss verfügbar ist. Dort ist es auch wichtig, das Kleingedruckte zu lesen und detailliert zu vergleichen.

Für Unternehmen: ADSL, SDSL oder VDSL?

Unternehmen müssen sich im Wesentlichen die gleichen Fragen stellen, diese allerdings deutlich weitreichender betrachten, da hier die Menge der Mitarbeitenden und das gesamte Nutzerverhalten aller eine entscheidende Rolle spielt. Da Unternehmen häufig komplexere Anforderungen haben, kann sich eine Beratung des Anbieters lohnen, um ein individuelles Konzept zu erarbeiten.

So hat man Unternehmen früher häufig grundsätzlich die Nutzung eines SDSL-Anschlusses empfohlen, damit es beim Datenupload oder bei Videokonferenzen nicht zu Problemen kommt. Heutzutage sind jedoch auch asymmetrische Anschlüsse dank VSDL mit so großen Übertragungsraten möglich, dass selbst die reduzierte Uploadrate ausreicht (bis zu 100 mbit/s im Download bei 40 mbit/s im Upload).

Bandbreite für normale Internetnutzung

Grundsätzlich gibt die Internetgeschwindigkeit wieder, wie viele Daten pro Sekunde im Download sowie im Upload verarbeitet werden. Auch die benötigte Internetbandbreite hängt von der Nutzeranzahl und ihrem Verhalten ab. Das haben viele gemerkt, als sie aufgrund der Corona-Maßnahmen plötzlich auf eine deutlich leistungsfähigere Internetverbindung zuhause angewiesen waren. Videokonferenzen und Datentransfers überlasteten in vielen Haushalten die Internetverbindung im Homeoffice. Eingefrorene Bildschirme und ewig dauernde Down- und Uploads waren die spürbaren Folgen – wir müssen Ihnen das wohl kaum näher erzählen.

Es gilt also: Welche Internetbandbreite Sie zusätzlich zur VoIP-Bandbreite benötigen, hängt von Ihren Anforderungen, der Nutzeranzahl und dem Nutzerverhalten ab. Um das zu konkretisieren, geben wir Ihnen hier grobe Anhaltspunkte mit:

  • Sie arbeiten alleine oder mit Partner*in im Homeoffice: 30-50 mbit/s
  • Die gesamte WG oder Familie inkl. Kindern braucht stabiles Internet: 100-150 mbit/s
  • Unternehmen (oder auch extreme Internet-User zuhause): 300+ mbit/s

Down- und Upload beachten!

Berücksichtigen Sie nicht nur die Download-Rate, sondern auch die Upload-Geschwindigkeit, wenn Sie häufig an Videokonferenzen teilnehmen oder größere Datenmengen in die Cloud oder ins Netzwerk hochladen müssen (ADSL vs. SDSL).

Wie kann ich die aktuelle Bandbreite messen?

Um die Bandbreite zu messen, können Tools verschiedener Hersteller und Anbieter genutzt werden, z. B. die Breitbandmessung der Bundesnetzagentur.

Wenn bereits ein Anschluss vorhanden ist, kann eine Messung vom jeweiligen Anbieter gemacht werden. Diese gibt dann Aufschluss darüber, ob die vorhandene Bandbreite ausreichend ist. Bei einer Messung über mehrere Tage ist es möglich, auch entsprechende Spitzenzeiten zu identifizieren – das ist besonders für Unternehmen von Relevanz, da die Auslastung stark variieren kann.

Sind getrennte Internetleitungen für Internetnutzung und IP-Telefonie sinnvoll?

Im privaten Bereich ist eine Trennung von Internetnutzung und Telefonie wenig sinnvoll.

Bei Unternehmen ab einer gewissen Größe hingegen macht eine Trennung von Daten und Sprache in jedem Fall Sinn. Ab wann eine Trennung erfolgen sollte, hängt stark von der Nutzeranzahl und dem Nutzerverhalten ab, daher können wir an dieser Stelle leider keine pauschale Aussage zur Mitarbeiteranzahl machen.

Diese Trennung kann über unterschiedliche Wege erfolgen:

Physikalische Trennung

Wie der Begriff schon anmuten lässt, liegen bei einer physikalischen Trennung tatsächlich zwei voneinander getrennte Netzwerke vor: das Datennetz sowie das Sprachnetz. Diese Form der Trennung wird empfohlen, wenn besonders sensible Daten verarbeitet werden und es im Unternehmen entsprechend strenge Vorgaben zur Netzwerksicherheit gibt. Physikalische Trennungen bringen allerdings hohe Kosten mit sich.

Logische Trennung über VLAN

Innerhalb des LANs kann eine logische Trennung über VLAN sinnvoll sein. Hierbei werden virtuelle Local Area Networks (VLANs) auf einer gemeinsamen physikalischen Infrastruktur aufgebaut. Die Netze werden damit sozusagen virtuell in anwendungsspezifische Bereiche getrennt. Durch diese Trennung werden auch potenzielle Angriffe auf die entsprechend betroffenen Bereiche begrenzt und können nicht auf die anderen Netze übergreifen.

Telefone verfügen im Werkszustand allerdings nicht über die dafür benötigte VLAN-ID, diese erhält das Telefon erst über das Provisioning (Bereitstellung der Leistungen durch Anbieter). Hierfür muss das Default VLAN einen dieser Dienste durchlassen können: DNS, NTP, HTTP, HTTPS.

Was passiert, wenn die Bandbreite zeitweise trotz aller Berechnungen nicht ausreicht?

Im Frühjahr 2020 konnten wohl die meisten von uns am eigenen Leib spüren, welche Folgen eine überlastete Internetverbindung im Homeoffice hat. Im Regelfall wird nicht direkt das Gespräch vollständig unterbrochen, sondern es kommt zu einer hörbar schlechteren Leitungsqualität und Verzögerungen: Die Sprache wird verzögert übertragen, bei Videoübertragungen friert das Bild ein.

In der Fachsprache bezeichnet man das als Latenzen, die sich unterschiedlich auswirken können. Genau genommen sind diese Latenzen am Ende sogar entscheidender für das Usererlebnis als die Bandbreite, auch wenn diese meistens umgangssprachlich dafür verantwortlich gemacht wird, wenn Störungen auftreten.

Die verschiedenen Latenzen zeigen wir Ihnen hier in aller Kürze auf:

  • Laufzeitverzögerung: Zeit, die eine Nachricht von Absender zu Empfänger benötigt, abhängig von der Ausbreitungsgeschwindigkeit eines Signals in einem Medium
  • Übertragungsverzögerung: Zeit, die das Datenpaket braucht, um vollständig durch die Verbindung zu gelangen
  • Verarbeitungsverzögerung: Zeit, die zur Verarbeitung der Paket-Header sowie zur Fehlersuche auf Bit-Ebene benötigt wird
  • Warteschlangenverzögerung: Zeit, die ein Datenpaket auf einem Server oder Router wartet, bis es verarbeitet werden kann

Quality of Service: Priorisierung von IP-Telefondaten im Netzwerk

Waren die Sprachdatenströme der Telefonie früher im POTS (Plain Old Telephone System) oder ISDN (Integrated Services Digital Network) vom Internet und lokalen Netzwerk des Unternehmens getrennt, so läuft mit Voice over IP heute alles über ein- und denselben Datenverkehrsstrom (wenn dieser nicht bewusst getrennt wird wie im Abschnitt zur Trennung beschrieben). Das hat nicht nur sicherheitskritische Aspekte (hier mehr zur Sicherheit bei IP-Telefonie erfahren), sondern kann auch dazu führen, dass die Sprachdaten durch eine überlastete Internetverbindung ins Stocken geraten. Es gibt aber eine Möglichkeit, dies zu vermeiden: die Priorisierung der Sprachdaten im Datenverkehr, im Fachjargon Quality of Service genannt.

Was das bedeutet? Eingehende sowie ausgehende Sprachdatenpakete werden bevorzugt behandelt vor weiterem Datenverkehr wie z.B. einem Datenupload in die Cloud. So wird die Sprachqualität auch bei Bandbreiten-Engpässen gesichert, wohingegen die Geschwindigkeit des weiteren Datenverkehrs entsprechend gedrosselt wird.

Quality of Service – Definition

Sprachdaten werden zur Sicherung der Qualität priorisiert behandelt und haben Vorrang vor dem normalen Internetdatenverkehr, sodass z.B. Up- und Downloads mit gedrosselter Geschwindigkeit erfolgen.

Fazit – VoIP-Bandbreite ist entscheidend für gute Sprachqualität

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit den Informationen rund um das Thema VoIP-Bandbreite weiterhelfen konnten. Lassen Sie uns hier alles in Kürze noch einmal zusammenfassen:

  • Pro VoIP-Telefonat benötigen Sie 100 kbit/s im Up- und Download, mit Puffer können Sie mit 150 kbit/s pro Gespräch rechnen.
  • Es gibt drei unterschiedliche Anschlüsse:
    • ADSL: asymmetrischer Anschluss, Uploadgeschwindigkeit ist geringer als Downloadgeschwindigkeit
    • SDSL: symmetrischer Anschluss, Up- und Downloadgeschwindigkeit sind gleich
    • VDSL: asymmetrischer High-Speed-Anschluss, höhere Übertragungsraten, aber Uploadgeschwindigkeit ist geringer als Downloadgeschwindigkeit
  • Verschiedene Latenzen können bei überlasteter Internetverbindung zu Verzögerungen und Qualitätsproblemen beim Telefonieren führen.
  • Mittels Quality of Service, der Priorisierung von Sprachdaten im Datenverkehr, kann die Sprachqualität auch bei schwankender Internetgeschwindigkeit aufrechterhalten werden.

Als Unternehmen sollten Sie also zum einen bei der Berechnung der benötigten VoIP-Bandbreite gründlich vorgehen, um grundsätzlich ausreichend Bandbreite zur Verfügung stellen zu können, damit Ihre Belegschaft ungestört arbeiten kann. Beobachten Sie dafür auch Spitzenzeiten über einen längeren Zeitraum, um Ihre Anforderungen festlegen zu können. Zum anderen sollten Sie mittels Quality of Service dafür sorgen, dass die Sprachdaten immer bevorzugt übertragen werden, damit die Telefongespräche Ihrer Mitarbeitenden mit guter Qualität geführt werden können. Der Download kann im Fall einer überlasteten Internetverbindung warten, die professionelle Durchführung des Kundentermins via Teams jedoch nicht.

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